Baubetriebliche Aufgaben bei der Realisierung von Baumaßnahmen

von Dipl.-Ing. (FH) Christian Geiger, Dipl.-Ing. Christoph Surmann, MCE-CONSULT AG

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Auszug:

Mit zunehmender Tendenz werden Probleme von großen Bauprojekten in der Öffentlichkeit diskutiert. Unzulänglichkeiten in den Projektplanungsphasen finden ein breites Interesse durch Publikationen in Presse, Funk und Fernsehen. Projekte wie die Elbphilharmonie in Hamburg, der Großflughafen Berlin Brandenburg (BER) oder das Bahnprojekt Stuttgart 21 stehen hier nur beispielhaft im Rampenlicht. Baubetrieblich sind die diskutierten Probleme nur wenig überraschend.

Bei der Aufbereitung von Mehrkostenansprüchen infolge bauzeitlicher Veränderungen nehmen Planungsstörungen und deren Auswirkungen einen entsprechend hohen Anteil ein. Auch das ist wenig verwunderlich. Anders als in anderen Bereichen der Fertigung, wie z.B. der Automobilindustrie, der Elektroindustrie oder der Pharmaindustrie, stellen die im Bau produzierten Bauwerke stets „Unikate“ dar. Im Unterschied zur „Serienfertigung“ haben Fehler bzw. Mängel kaum einen Wiederholungsfaktor. Regelmäßig werden bei Bauprojekten wesentliche Leistungen geändert, obgleich die Ausführung bereits in vollem Gange ist. Die technische und ablaufbezogene Planungsgenauigkeit im Baubereich ist, verglichen mit der einer Serienproduktion, recht ungenau bzw. schon eher als vage zu bezeichnen. Dies betrifft insbesondere die Planung und Disposition der Zulieferströme. Hinzu kommen Unwägbarkeiten in der Ausführung, zum Beispiel durch veränderliche Produktionsbedingungen infolge der Witterung oder Unwägbarkeiten im Bauablauf aus dem Baugrund bei unplanmäßigen Bodenverhältnissen, nicht vorhersehbaren Kampfmittelfunden oder unplanmäßiger Klassifizierung von Kontaminationen.

Weitere Ursachen für die Probleme liefert die Vertrags- und Vergabeverordnung für Bauleistungen (VOB). Es gilt im Bau geradezu als selbstverständlich, dass sich die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses  zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer vereinbarte Leistung, aufgrund des einseitigen Leistungsbestimmungsrechtes des Auftraggebers, verändern darf. So besteht anscheinend auch keine allzu große Not, eine zur Vertragsbasis bestimmte Leistung „umzuplanen“. Beim Werkvertrag nach VOB/B bedarf es hierzu der (einseitigen) auftraggeberseitigen Anordnung im Sinne des §1 Abs. 3. Auch selbstverständlich ist die Forderung von zusätzlichen Leistungen im Sinne des §1 Abs. 4.

(…)

Fazit

Neben der inhaltlichen Güte ist auch die Wiederauffindbarkeit der Dokumente von entscheidender Bedeutung. Was bisher noch nicht angesprochen wurde ist, dass heutzutage nicht nur die Dokumentation auf Papier, sondern auch eine elektronische Dokumentation erfolgt (E-Mail-Verkehr, Pläne, Planeingangs-, -ausgangslisten, etc.). Auch diese sind im Bauvorhaben zu kanalisieren und wiederauffindbar abzulegen.

Aus unserer Erfahrung ist es auf Grund der stetig steigenden Anforderungen an die Projektdokumentation unbedingt erforderlich, eine systematische nachvollziehbare Ablage für die anfallenden Informationen sicherzustellen. Wir bevorzugen in diesem Zusammenhang eine EDV-gestützte Datenbanklösung, die durch eine qualifizierte Suche die Wiederauffindbarkeit nicht nur von Dokumenten, sondern auch die Recherche nach einzelnen Themen ermöglicht. Damit ist in kurzer Zeit eine zusammenhängende Darstellung von einzelnen Sachverhalten möglich. Wir haben in diesem Zusammenhang ein Baustellen-Informations-Management (b-i-m) entwickelt, das durch seine offene Struktur die Möglichkeit bietet, bestimmte Aufgaben der Baustelle im Zuge der Dokumentationsablage zu übernehmen oder aber die vollständige Dokumentation eines Projektes aufzunehmen. Indem von Internetzugängen an verschiedenen Stellen (Baustelle, Verwaltung, etc.) unabhängig voneinander zeitgleich auf identische Informationen zugegriffen werden kann, besteht die Möglichkeit, sich auch über die gleichen Informationen kurzfristig austauschen. Da wir programmunabhängige Dateien in das Archiv einstellen können, ist eine weitergehende Softwaredefinition nicht erforderlich.

Die Vorteile liegen auf der Hand: mit b-i-m werden sowohl alle Abläufe als auch Dokumente vollständig nachvollziehbar und strukturiert abgelegt. Die vertraglichen Randbedingungen werden erfasst und stehen so für die Erstellung z.B. eines Soll-Terminplanes zur Verfügung. Durch klare Vorgaben ergeben sich aussagekräftige Bautagesberichte. Es gibt eine lückenlose Erfassung der Baustellendokumentation, welche die Nachverfolgung von Änderungen und Behinderungen im Bauablauf sehr erleichtert. Durch die kontinuierliche Aufnahme des Ist-Bautenstandes wird zeitnah ein terminlicher Soll-Ist-Vergleich möglich. Das System kann somit auch die Grundlagen für die Abschlussdokumentation bieten und bis in die Nutzungsphase hinein alle Dokumente wiederauffindbar bereithalten.

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Inhaltsübersicht

1 Einleitung
1 Beispiele
2 Grundlagen
2.1 Die Bewertung des Vertrages
2.2 Die Bewertung des Anspruchsgrundes
2.3 Die Bewertung der Anspruchshöhe
3 Die Bedeutung der Dokumentation
3.1 Konzeption
3.2 Planungsphase
3.3 Phase der Ausschreibung und Vergabe
3.4 Ausführungsphase
3.5 Abrechnung/ Schlussrechnung
3.6 Gewährleistungsphase
3.7 Nutzungsphase
3.8 Rückbau
3.9 Fazit

Veröffentlichung: 2017