Wem gehört der Puffer?

Die Bedeutung der Pufferzeiten bei “gestörten” Bauabläufen

von Dipl.-Ing. Christoph Surmann, Dipl.-Ing. (FH) Christian Geiger, MCE-CONSULT AG

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Auszug:

In der heutigen Zeit sind Bauprojekte einem enormen Wettbewerb und daraus resultierend einem extremen preislichen und zeitlichen Druck ausgesetzt. Geringe Projekt­vorbereitungs­zeiten, häufig kurze Bautermine und Fristen sind große Herausforderungen für die Projekt­beteiligten.

Hierdurch ergeben sich gerade in der Angebotsphase eines Projektes hohe Anforderungen an die Kalkulatoren und Entscheider einer Unternehmung. Die Parallelität unterschiedlicher abzuwickelnder Projekte führt zu einer Verzahnung der Risiken aus verschiedenen Projekten, die sich nur sehr eingeschränkt auf die jeweils einzelnen Vertragsverhältnisse übertragen lassen. Dies ist ein Aspekt dessen, was allgemein als „unternehmerisches Risiko“ verstanden wird.

Im Zentrum dieses Beitrages steht das Thema der „Pufferzeiten“:

    • Was sind eigentlich Pufferzeiten und wie entstehen diese?
    • Wem „gehören“ diese besonderen Zeiträume?
    • Besitzen diese einen vergütungsrelevanten Wert?
    • Welchen Sinn machen „Pufferkonten“?

Im Nachfolgenden soll ein Überblick gegeben werden, welcher die Zusammenhänge der Angebotsbearbeitung, der damit einhergehenden zeitlichen Planung sowie der unter­nehmerischen notwendigen Disposition und sich ergebender Pufferzeiten darstellen soll.

1 Was sind eigentlich Pufferzeiten und wie entstehen diese?

1.1 Kalkulation

Bei der Kalkulation von Bauprojekten werden üblicherweise, auf Grundlage der Leistungsbeschreibung und des Leistungsverzeichnisses sowie der weiteren Angebotsunterlagen des Auftraggebers, die Preise auf Basis der Einzelkosten der Teilleis­tungen (EKT) gebildet. Der Auftraggeber gibt die Struktur der Angebote vor, um eine vergleichbare Basis zu erhalten. Dies dient auch dazu, einen transparenten und fairen Wett­bewerb zu erhalten.

Jeder Bieter ermittelt dann, auf Basis unterschiedlicher Kostenarten (wie Lohn-, Geräte-, Material-, Nachunternehmerkosten etc.), individuell die Kosten zur Herstellung des Bauvorhabens, unter Berücksichtigung der projektabhängigen, aber nicht einer Position zuzuordnenden Kosten (z.B. Baustellengemeinkosten). Darüber hinaus werden die Selbst­kosten ermittelt, indem die projektübergreifenden Kosten als Allgemeine Geschäftskosten berücksichtigt werden. Unternehmerische Risiken werden bei der Preisbildung ihre Berücksichtigung finden, genauso wie der Unternehmensgewinn.

Unterzieht man diese preisbildenden Faktoren einer detaillierten Betrachtung, lassen sich unterschiedliche Einflussgrößen unterscheiden. Im Nachfolgenden soll der Zeitfaktor betrachtet werden. Hierbei ergeben sich vereinfacht zwei Zustände für die Kosten:

    • zeitunabhängige Kosten (z.B. Lieferung / Beschaffung von Material) und
    • zeitabhängige Kosten (z.B. Krane vorhalten)

Wie aus der Bezeichnung bereits erkennbar ist, sind zeitunabhängige Kosten nicht von der vorgesehenen Bauzeit abhängig. Gleichwohl sind diese zeitlich zu disponieren und werden innerhalb des geplanten Produktionsprozesses benötigt.

Bei den zeitabhängigen Kosten gibt es darüber hinaus eine eindeutige zeitliche Abhängigkeit. Je länger nämlich diese Kosten anfallen, desto höher werden diese (z.B. Vorhaltekosten). Somit ist die Zeitabhängigkeit ein wesentlicher Faktor der Preisbildung. Dieser findet seinen Niederschlag in Leistungswerten der Kalkulation und in Ausführungsdauern der Arbeitsvorgänge.

Um die erforderliche Ausführungsdauer zu ermitteln, bedient sich der Kalkulator der Aufwands- bzw. Leistungswerte. Zur Preisermittlung wird eine durch den Auftraggeber angegebene Menge einem benötigten Zeitaufwand / bzw. Leistungswert gegenübergestellt. Hierdurch ergeben sich dann die notwendigen Kosten der einzelnen Leistungsposition, die dann mengenabhängig, wie üblicherweise in der Ausschreibung gefordert, angegeben werden.
Eine Ausnahme hierbei stellen Vorhaltepositionen (z.B. Baustelleneinrichtung vorhalten) dar, bei denen gerade die zeitabhängigen Kosten in Relation zur Dauer anzugeben sind.

Als Fazit kann festgehalten werden, dass die Zeit ein wesentlicher Faktor bei der Preis-bildung ist. Dies ist aber für den Außenstehenden nicht ohne Weiteres erkennbar.

(…)

Zusammenfassung

Es ist unstrittig, dass die Pufferzeiten im Ablauf eines Bauprojektes dem Auftragnehmer gehören. Es ist auch unstrittig, dass der Auftraggeber nicht genutzte Pufferzeiten nutzen darf. Große Schwierigkeiten bereiten dann die tatsächlichen Randbedingungen. Wann darf der Auftraggeber die Pufferzeiten nutzen? Wann werden diese Pufferzeiten frei? Wie werden die vom Auftraggeber auszuführenden Arbeiten in den Ablauf des Auftragnehmers integriert, ohne dass der Auftragnehmer in seiner vertraglichen Leistung gestört wird? Bei der Nutzung von Pufferzeiten des Auftragnehmers ist die Kostenfolge für den Auftragnehmer zu untersuchen (z.B. Veränderung zeitabhängiger Kosten, erhöhte Koordinations­aufwen­dungen, usw.).

Es gibt im Zusammenhang mit den Puffern viele Unschärfen, die global alle ihre Berechti­gung haben, aber bei detaillierter Betrachtung schnell an ihre Grenzen stoßen.

Insofern kann hier nur abschließend festgestellt werden, dass sich der Auftraggeber im Zuge seiner Ausschreibung sorgfältig überlegen muss, welche Zeiten für seine Gesamt­projektrealisierung wichtig sind, so dass diese im Bauvertrag geregelt werden müssen. Für den Auftragnehmer ist es unter baubetriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll, Pufferzeiten im Terminplan zu berücksichtigen, um die sichere Abwicklung des Projektes realisieren zu können. Über die Inhalte des Terminplanes ist zwischen den Vertragsparteien frühzeitig im Projekt Klarheit zu schaffen. Dann ist auch eine Nutzung der Pufferzeiten durch andere Vertragspartner möglich. Auf dieser Basis kann die Vergütungsregelung zur Überlassung von Pufferzeiten zu einer fairen Lösung gebracht werden.

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Inhaltsverzeichnis

1 Was sind eigentlich Pufferzeiten und wie entstehen diese?
1.1 Kalkulation
1.2 Terminplanung
1.3 Die Berücksichtigung von Pufferzeiten und Dispositionszeiten
1.4 Netzplantechnik (Pufferzeiten und kritischer Weg) nach DIN 69900
2 Definitionen nach DIN 69900
2.1 Puffer
2.2 Pufferzeit
2.3 Freie Pufferzeit
2.4 Gesamte Pufferzeit
2.5 Unabhängige Pufferzeit
2.6 Zeitmaßstäbliche Darstellung von Pufferzeiten
2.7 Der Weg
2.8 Kritischer Weg
2.9 Ablaufelemente auf dem kritischen Weg
3 Zusammenhang Kalkulation/ Terminplanung
3.1 „Vorgangsinnere Pufferzeiten“
3.2 „Scheinbare Pufferzeiten“
3.3 „Offensichtliche Pufferzeiten“
4 Die Bedeutung der Pufferzeiten
4.1 Der Auftraggeber
4.2 Der Auftragnehmer
5 Hypothese
6 Literaturauswertung zu Thematik „Pufferzeiten“
6.1 Fazit

Veröffentlichung: 2014